Vom Glück hinter der Kamera

Herbert Piel bei Lichtwert e. V.

„My Life – my work – In Pictures – In Stories!“

31. Oktober 2014: Halloween – doch rund 40 Mitglieder und Gäste steht nicht der Sinn nach Monstern, denn Reportage-Legende Herbert Piel gastiert bei Lichtwert e. V..

Es ist nicht das erste Mal, dass Herbert Piel dem Verein einen Besuch abstattet – fast exakt vor einem Jahr war er bereits schon einmal hier und fühlte sich sichtlich wohl. Damals versprach er: Ich komme wieder – was angesichts des heutigen Abends kein leeres Versprechen ist:

Gewohnt entspannt und freundlich eröffnet Piel seinen Vortrag. Einen Einblick will er geben, in seine Arbeit, in sein Leben, in seine Bilder. Und er will die Geschichten hinter den Bildern erzählen:

Die Zuschauer sehen Bekanntes – Sterntitel, Spiegel-Reportagen – bei vielen Bildern denkt sich der Zuschauer überrascht: Das kenne ich doch! Und fragt verwundert: Das hat DER geschossen?! Und das sieht Herbert Piel ein Bisschen als Wermutstropfen an seinem Schaffen: Er fotografierte für nahezu alle namhaften Agenturen, von AP bis Reuter und somit standen diese Namen oftmals unter seinen Bildern. Der Name Herbert Piel wurde selten erwähnt.

Doch seine Bilder schaffen es, binnen Minuten die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen: Piel zeigt Alltägliches, Besonderes, Besinnliches, Dramatisches und Furchtbares – doch alles aus der Distanz des Beobachters. Er hebt keinen moralischen Zeigefinger, er beschreibt, macht deutlich, weist auf Details hin. Urteile und Wertungen fallen keine, zumindest nicht in seinen Bildern – das ist nicht die Art eines Herbert Piel, der dafür viel zu professionell ist. Sich eine Meinung zu bilden, überlässt er dem Betrachter – ganz im Gegensatz zum heutigen Mainstream.

Er zeigt Arbeiten von Kollegen, kommentiert angehende Fotografen, die er in der Leica Masterclass-Akademie ausbildet und plaudert launisch über manche Story, die sich hinter dem großen politischen Vorhang zutrug. Er bringt Geschichte aus vier Jahrzehnten Bundesrepublik, kommentiert professionell aus völlig neuen Blickwinkeln manch große Ereignisse und lenkt den Blick auf Details jenseits der Schlagzeile.

Irgendwann ist der Vortrag dann am Ende. Dass es volle 3 Stunden waren, verrät nur ein Blick auf die Uhr. Oder das Gefühl im Allerwertesten, dass von der Sitzfläche der nicht unbedingt für solche Überlängen gebauten Stühle ausgeht.

Am Ende kommentiert eine Kollegin in einem kurzen Einspieler, dass sie irgendwann die Mauer zwischen dem Geschehen und sich nicht mehr aufrecht halten konnte. Herbert Piel meint dazu, dass er froh war, dass er diese Mauer sich immer bewahren konnte. Um authentisch zu bleiben, um objektiv zu fotografieren und auch – um das Glück hinter der Kamera nicht zu verlieren. Denn letztlich, so meint er – soll das, was man tut, doch Spaß machen!

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